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Lenardweg

1961 benannt nach dem Physiker und Nobelpreisträger Philipp Lenard (1862-1947)

Der Lenardweg

Der Lenardweg wurde 1961 angelegt. Die vom Glashüttenweg abzweigende kurze Stichstraße erschließt eine Reihe von Gewerbegrundstücken. Der Straßenname wurde von der Bauverwaltung vorgeschlagen und vom Bauausschuss beschlossen. Zeitgleich erfolgte die Benennung einer ebenfalls vom Glashüttenweg abzweigenden Ringstraße nach dem dänischen Physiker Niels Bohr (1885-1962), der zu diesem Zeitpunkt noch lebte. Damit kam er eigentlich für eine Benennung noch nicht in Frage. Ob alternativ eine Benennung nach dem bereits verstorbenen Albert Einstein erwogen wurde, ist unbekannt.

Philipp Lenard (1862-1947)

Der 1883 im österreichisch-ungarischen Pressburg (heute Bratislava / Slowakei) geborene Philip Lenard studierte seit 1881 Naturwissenschaften und Physik und kam über Wien nach Deutschland. Er spezialisierte sich auf Forschungen zu Strahlung und Licht. Als außerordentlicher Professor lehrte er seit 1896 in Heidelberg, später zeitweise auch in Kiel.

1905 erhielt er den Nobelpreis für Physik in Anerkennung seiner Arbeiten über die Kathodenstrahlung. 1907 nahm er auch die deutsche Staatsangehörigkeit an. Seit demselben Jahr leitete er bis zu seiner Emeritierung 1931 das Institut für Physik und Radiologie an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg.

Wissenschaftler im Geiste des Antisemitismus

Nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg wurde der überzeugte Monarchist zu einem überzeugten Antisemiten. 1920 kam es bei einer Tagung zu einer öffentlichen Konfrontation mit dem deutsch-jüdischen Physiker Albert Einstein, dessen Forschungen Lenard als „Judenbetrug“ ablehnte.Nach der Ermordung von Reichsaußenminister Walter Rathenau durch rechtsextreme-antisemitische Täter weigerte Lenard sich 1922, am Physikalischen Institut der Universität Heidelberg die Trauerbeflaggung durchzuführen und den im Land Baden angeordneten Ruhetag einzuhalten. Mit dem Erscheinen von Hans F. K. Günthers Rassenkunde des deutschen Volkes (1922) wandte  sich Lenard dem Nationalsozialismus zu.

1923 schrieb er erstmals an Hitler und setzte sich in der Folge öffentlich für die NSDAP ein. Zusammen mit anderen Physikern vertrat Lenard jetzt die „Deutsche“ bzw. „Arische Physik“, nach deren Aussage die Naturerkenntnis rassisch bedingt sei. Die arische Rasse habe für die Wissenschaft der Physik die besten Voraussetzungen. Neue Erkenntnisse der theoretischen Physik – wie Einsteins Relativitätstheorie – lehnte er ab. Seit 1928 unterstützte Lenard die völkisch gesinnte, antisemitische Nationalsozialistische Gesellschaft für Deutsche Kultur.

Als diese 1931 unter dem Namen „Kampfbund für deutsche Kultur““ neu gegründet wurde,gehörte Lenard zu den Gründungsmitgliedern. Nach 1933 wurde der Physiker vielfach ausgezeichnet; im Jahr der Machtübernahme verlieh der Reichspräsident ihm den Adlerschild des Deutschen Reiches, die höchste Ehrung des Staates. 1936/37 erschien Lenards vierbändiges Werk Deutsche Physik. 1937 trat er in die NSDAP ein.

Foto Philip Lenard: Bundesarchiv / Digitales Bildarchiv

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